Der Bürogebäudekomplex an der Württembergischen Straße steht für ein Stück Baugeschichte. Als eines der ersten Bürohochhäuser Berlins und seinerzeit höchster Hochhausneubau West-Berlins mit 61,20 Metern Höhe war seine Generalsanierung und zukunftsorientierte Neuordnung eine Aufgabe von besonderer Dimension.
Zwischen Denkmalschutz, sensibler Bestandssanierung und anspruchsvollen Nutzerwünschen galt es, historische Spuren zu bewahren und zugleich eine zukunftsfähige Nutzung zu ermöglichen.
Denkmalpflege, Sanierung und Neubau
Bauen im Bestand stellt besondere Anforderungen. Zudem steht das Dienstgebäude seit 1991 unter Denkmalschutz. Die Funktionalität sollte verbessert werden, ohne den Charakter eines besonderen Schutzguts aus dem Blick zu verlieren. Vor allem die Umsetzung der Hochhausrichtlinie in Verbindung mit den Vorgaben des Denkmalschutzes erforderte passgenaue Lösungen, insbesondere im Bereich der Fassade und der Fenster.
Für die Fassade gab die Denkmalpflege vor, die Ansichtsbreiten der Stützen und Lisenen, die Fensterformate sowie die Mosaikfassade nach dem Entwurf von Hermann Kirchberger aus den 1950er Jahren zu bewahren. Gleichzeitig erforderte der bauliche Zustand der ungedämmten Fassade eine neue Lösung. Mit einer wesentlich dünneren Hochleistungsdämmung auf Aerogel-Basis ließ sich der Schutz der Tragstruktur mit dem Erhalt der prägenden und denkmalgeschützten Fassadenelemente verbinden.
Auch bei den Fenstern stand der Denkmalschutz klar im Vordergrund. Nach Ausbau, Katalogisierung und Prüfung der rund 400 Fensteranlagen zeigte sich, dass ein Teil der historischen Doppelkastenfenster nicht mehr instandgesetzt werden konnte. Gemeinsam mit der Denkmalpflege wurde daher entschieden, die eine Hälfte der Fenster zu sanieren und die andere Hälfte denkmalgerecht neu herzustellen.
Sicherheit und Brandschutz
Eine der Herausforderungen bei diesem Bauvorhaben bestand darin, hohe Sicherheitsstandards und komplexe Brandschutzanforderungen in die bestehende Gebäudestruktur zu integrieren.
Auch im Brandschutz war wegen der Bestandsstruktur eine individuelle Lösung erforderlich. Die vorhandene Decke zum Dach wies keinen Feuerwiderstand auf und das 17. Obergeschoss hätte zurück- und neugebaut werden müssen, um das im Brandschutzkonzept vorgesehene Feuerwiderstandsvermögen F90 zu erreichen. Um das zu vermeiden, wurde stattdessen eine Sprühnebelanlage installiert, bedient durch einen Löschwassertank mit 5.000 Litern Fassungsvermögen und eine leistungsstarke Pumpe im Untergeschoss, die das Wasser bis in das 17. Obergeschoss transportiert.
Im Senatorenbereich wurden erhöhte Sicherheitsstandards umgesetzt:
Um die Sicherheit im Senatorenbereich und der 900 Mitarbeitenden jederzeit bestmöglich zu gewährleisten, wurden erhöhte Sicherheitsstandards eingeführt. Grundlage dafür ist ein umfassendes Sicherheitskonzept, das den besonderen Anforderungen Rechnung trägt.
Barrierefreiheit bis ins 17. Obergeschoss
Ein weiterer zentraler Baustein war die konsequente barrierefreie Erschließung des Gebäudes.
So wurde die Dreier-Aufzugsgruppe bis in das 17. Obergeschoss verlängert. Ursprünglich endete diese im 16. Obergeschoss. Auch der historische Paternoster-Aufzug wurde unter Berücksichtigung der aktuellen Sicherheitsanforderungen wieder in Betrieb genommen. Dafür erhielt er unter anderem eine Ampelfunktion sowie eine Lichtschranke.
Ein besonderes Element entstand gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut: Entwickelt wurde ein Indoor-Navigationssystem für blinde, sehbehinderte und körperlich eingeschränkte Personen, dass die Orientierung innerhalb des Gebäudes deutlich erleichtert. Herzstück ist eine eigens entwickelte App, die über QR-Codes an den Decken den Standort erkennt und Menschen sicher durch das Gebäude führt. Die Navigation erfolgt über Sprache, Vibration und Klickgeräusche und unterstützt damit unterschiedliche Bedürfnisse auf intuitive Weise.
Ein Projekt dieser Größenordnung gelingt nur gemeinsam
Der Bürogebäudekomplex an der Württembergischen Straße steht beispielhaft für die Anforderungen einer Generalsanierung im denkmalgeschützten Bestand. Die Verbindung aus Denkmalschutz, technischer Erneuerung, moderner Nutzung sowie hohen Anforderungen an Sicherheit, Barrierefreiheit und Funktionalität verlangte ein präzises abgestimmtes Vorgehen über alle Projektphasen hinweg. Entscheidend für den Projekterfolg waren dabei eine strukturierte Steuerung, die enge Abstimmung aller Beteiligten und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. So konnte ein historisch bedeutendes Gebäude zukunftsfähig weiterentwickelt werden.




